Das Stück


Zell bei Zellhof im Jahr 1729. Magdalena Grillenberger, Bäuerin am Wagenlehnergut in Aich, kennt sich aus mit Heilkräutern und Hausmitteln. Ihre Salben und Tinkturen helfen Mensch und Tier. Dieses Wissen wird der fleißigen Bäuerin zum Verhängnis: Sie soll mit dem Teufel im Bunde sein, verdächtigen sie die Nachbarn. Als in Schönau ihre Enkelin Sibilla wegen Brandstiftung festgenommen wird, nimmt das Unheil seinen Lauf: Sibilla beschuldigt ihre Großmutter der Hexerei.

 

Eine wahre Begebenheit

Nicht im finsteren Mittelalter, sondern erst an der Schwelle zur Aufklärung kam es zu einer der entsetzlichsten Verwirrungen des menschlichen Geistes: zum Hexenwahn.

 

Der Autor Dr. Wolfgang Aistleitner hat nach einer Idee von Mag. Zita Eder ein Theaterstück über den Wagenlehner-Hexenprozess verfasst. Dieser fand in der Herrschaft Prandegg/Zellhof statt. Ihm fielen die unschuldige Bäuerin und ihre gesamte Familie zum Opfer. Er war einer der letzten großen Hexenprozesse – und das vor unserer Haustür.

 

Das Schauspiel „Die Hexenmacher. Eine Familienausrottung“ ist keine historische Abhandlung. Es versucht, eine Antwort zu geben, wie das geschehen konnte. Als Quelle für die Schilderung des eigentlichen Prozessgeschehens dienten die historischen Gerichtsakten und Verhörprotokolle.

Die "Wagenlehner-Hexe" - gespielt von Elisabeth Neulinger
Die "Wagenlehner-Hexe" - gespielt von Elisabeth Neulinger

Wer war die „Wagenlehner-Hexe“?

Die Bäuerin Magdalena Grillenberger (1670 bis 1730) am Wagenlehnergut (Aich 48) führte eine ertragreiche Milchwirtschaft. Trotz kleinem Viehstand verkaufte sie häufig Butter. Das weckte den Verdacht, es gehe nicht mit rechten Dingen zu. Als auf einigen Höfen in der Nachbarschaft das Vieh erkrankte und die Kühe keine Milch mehr gaben, schrieb man das der Hexerei zu. Eine Schuldige war schnell gefunden: die Wagenlehnerin.

 

Bald darauf brannte das Kreuzbergergut in der Pfarre Schönau. Dort lebte Sibilla Wenigwieser, das „Ahnlmensch“ – die Enkelin der Wagenlehnerin. Sie wurde vom Landgericht Ruttenstein verhaftet. Bei der Vernehmung entlockte man ihr eine schlimme Unwahrheit nach der anderen und zum Schluss das „Geständnis“, dass die Großmutter mit dem Teufel im Bunde sei. Dieser habe der Wagenlehnerin das Ausmelken fremder Kühe gezeigt und noch andere teuflische Künste, wie die Verhörprotokolle belegen.

 

Mitten in der Nacht wurden die Wagenlehnerin und ihre Kinder verhaftet und verdächtige Dinge wie Salben und Öle beschlagnahmt. In den Tagen darauf wurde auch die Verwandtschaft festgenommen.

 

In den ersten Verhören leugnete die Wagenlehnerin noch alles. Erst unter der Folter gestand sie die absurden Dinge, die man ihr vorwarf: das Melken fremder Kühe, das Mäusemachen, den Hexentanz beim Ofnerkreuz und andere, die dabei gewesen waren.

 

Das Urteil wurde nach langer Haft am 7. November 1730 vom Landgericht Prandegg in Zellhof verkündet, am gleichen Tag das Urteil über Sibilla Wenigwieser und ihre Mutter Magdalena vom Landgericht Ruttenstein. Der alten Wagenlehnerin, damals 64 Jahre alt, sollte auf dem Weg zur Richtstätte (in der Nähe von Schloss Zellhof) zweimal mit glühenden Zangen in die Brust gezwickt und die rechte Hand abgehauen werden. Dann sollte sie erdrosselt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Alle anderen Angeklagten wurden enthauptet und verbrannt. Matthias Grillenberger starb 1731 im Gefängnis.

Quelle: Heimatbuch Bad Zell

Die Hexenmacher:

Der Adel - gespielt von Gottfried Fürst
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Der Klerus - gespielt von Horst Populorum
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